Augengesundheit

Das Auge: Aufbau, Funktion und was sich ab 50 verändert

10 Min. Lesezeit

Die Speisekarte wandert eine Armlänge weiter weg, das Straßenschild in der Dämmerung braucht länger. Wie das Auge aufgebaut ist, wie aus Licht ein Bild wird und welche Veränderungen ab 50 normal sind.

Lesezeit: etwa 8 Minuten

Es beginnt meist unauffällig. Die Speisekarte im Restaurant wandert plötzlich eine Armlänge weiter weg. Das Straßenschild in der Dämmerung braucht einen Moment länger, bis es lesbar wird. Und beim Wechsel vom hellen Hof in den dunklen Keller dauert es länger als früher, bis man wieder etwas erkennt.

Das sind keine Zufälle, sondern Veränderungen an einem Organ, das über Jahrzehnte klaglos seinen Dienst tut: dem Auge. Wer versteht, wie es aufgebaut ist und was dort Schicht für Schicht passiert, versteht auch besser, warum sich im Lauf des Lebens bestimmte Dinge verändern.


Der Weg des Lichts: Sehen in sechs Stationen

Der Vergleich mit einer Kamera ist alt, aber er trägt erstaunlich weit. Licht fällt von außen ein, wird gebündelt, trifft auf eine lichtempfindliche Fläche und wird dort in Signale übersetzt. Nur dass die eigentliche Bildentstehung nicht im Auge stattfindet, sondern im Gehirn.

1. Die Hornhaut (Cornea)

Die klare, kuppelförmig über die Iris gespannte Vorderseite des Auges. Sie schützt gemeinsam mit Lidern, Wimpern und Tränenflüssigkeit vor Fremdkörpern und Verletzungen — und bricht das einfallende Licht bereits, bevor es weiter ins Auge gelangt. Im Inneren der Kuppel liegt das Kammerwasser, das Hornhaut und Linse mit Nährstoffen versorgt.

2. Iris und Pupille

Die Regenbogenhaut ist der farbige Teil des Auges: eine Scheibe mit einem Loch in der Mitte, der Pupille. In der Iris sitzen Muskeln, die dieses Loch größer und kleiner stellen. Bei starker Helligkeit verengt sie die Pupille, um eine Überbelichtung zu vermeiden; im Dunkeln stellt sie sie weit. Sie ist die Blende des Systems.

3. Die Linse

Hinter der Pupille liegt die klare Linse, über feste Fasern an Muskeln befestigt. Ziehen sich diese Muskeln zusammen, verändert sich ihre Form — und damit, wie stark das einfallende Licht gebrochen wird. So stellt sich das Auge auf nah oder fern ein. Dieser Vorgang heißt Akkommodation, und er ist genau die Fähigkeit, die im mittleren Lebensalter nachlässt.

4. Der Glaskörper

Eine durchsichtige, gelartige Masse, die dem Augapfel seine prall-elastische Form gibt. Bei vielen Menschen entstehen darin mit den Jahren Trübstoffe, die harmlos sind und die Sehfunktion nicht stören. Man hat dann manchmal den Eindruck, dass kleine Fäden oder Insekten durchs Blickfeld schwirren — daher der Name „Mouches volantes“, fliegende Mücken.

5. Die Netzhaut (Retina)

Hier findet die eigentliche Übersetzungsarbeit statt. Die Netzhaut kleidet den Augapfel von innen aus und enthält Millionen von Sinneszellen, die Lichtreize in Nervensignale umwandeln. Sie ist nur etwa 0,2 bis 0,5 Millimeter dick — und bemerkenswert gebaut: Das Licht muss erst mehrere Zellschichten durchdringen, bevor es überhaupt auf die Sinneszellen trifft.

6. Der Sehnerv

Die Fortsätze der Nervenzellen bündeln sich und verlassen das Auge an seiner Rückseite. Der Sehnerv umfasst rund eine Million solcher Fasern bei einem Durchmesser von etwa sieben Millimetern. Erst im Gehirn werden die Signale — zusammen mit denen des anderen Auges — zu einem bewusst wahrgenommenen Bild zusammengesetzt.


Der Aufbau: drei Schichten, klar getrennte Aufgaben

Anatomisch ist der Augapfel wie eine Zwiebel gebaut. Von außen nach innen:

Schicht Bestandteile Aufgabe
Äußere Augenhaut Lederhaut (Sclera), Hornhaut (Cornea) Formgebung, Schutz, Lichtbrechung
Mittlere Augenhaut Aderhaut (Choroidea), Ziliarkörper, Iris Blutversorgung, Scharfstellen, Lichtregulierung
Innere Augenhaut Netzhaut (Retina) mit Makula und Sehnervkopf Lichtwahrnehmung, Signalweiterleitung

Die Aderhaut verdient dabei besondere Erwähnung. Sie liegt zwischen Lederhaut und Netzhaut und versorgt gemeinsam mit der Pigmentschicht die äußeren Netzhautschichten — also genau die Sinneszellen — mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die Netzhaut arbeitet stoffwechselintensiv und ist gleichzeitig dauerhaft Licht ausgesetzt. Eine anspruchsvolle Kombination.


Stäbchen und Zapfen: warum nachts alle Katzen grau sind

In der Netzhaut sitzen zwei sehr unterschiedliche Typen von Sinneszellen. Insgesamt sind es rund 127 Millionen: etwa sieben Millionen Zapfen und rund 120 Millionen Stäbchen.

Die Zapfen ermöglichen das Farbsehen. Sie kommen in drei Varianten vor, die jeweils auf kurz-, mittel- oder langwelliges Licht ansprechen — vereinfacht: blau, grün und rot. In der Makula sind sie hochkonzentriert und liefern dort das scharfe Bild. Ihre Sehfarbstoffe brauchen jedoch deutlich mehr Lichtenergie, weshalb Zapfen praktisch nur bei Tageslicht arbeiten.

Die Stäbchen sind mit Abstand in der Überzahl und bis zu 1000-mal lichtempfindlicher als die Zapfen. Sie liefern kein Farbsehen, dafür Grautöne und Bewegung noch bei sehr wenig Licht. Deshalb erscheint uns die Welt in der Dämmerung fahl: Das Sehen läuft dann fast ausschließlich über die Stäbchen. Weil außerdem immer mehrere Stäbchen auf dieselbe nachgeschaltete Zelle verschaltet sind, ist das Bild nachts nicht nur farblos, sondern auch unschärfer.

Wer dazu mehr wissen möchte, findet in unserem Beitrag zur Nachtblindheit eine ausführlichere Darstellung.


Die Makula: der Punkt, an dem alles Scharfe hängt

Wenn Sie diesen Satz lesen, arbeitet dafür ein winziger Bereich Ihrer Netzhaut: die Makula, der „gelbe Fleck“. Dort sitzen die meisten Zapfen, und alles, was wir scharf sehen — Buchstaben, Gesichter, Zifferblätter — wird hier abgebildet. Der Rest der Netzhaut liefert Orientierung und Bewegungswahrnehmung, aber keine Details.

Ihren Namen verdankt die Makula einer gelblichen Färbung. Diese stammt von Carotinoiden, die der Körper nicht selbst herstellen kann und über die Nahrung aufnehmen muss: Lutein, Zeaxanthin und Meso-Zeaxanthin. Gemeinsam bilden sie das sogenannte Makulapigment, das den Sinneszellen wie ein vorgeschalteter Filter vorausliegt und bevorzugt kurzwelliges, energiereiches Licht absorbiert.

Dass das Auge diese Stoffe dort anreichert, ist gut untersucht. Was eine höhere oder niedrigere Pigmentdichte für den einzelnen Menschen bedeutet, lässt sich daraus jedoch nicht pauschal ableiten — ein wichtiger Unterschied, der in der Werbung gerne verwischt wird. Wir haben die Studienlage in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: Lutein und Zeaxanthin — was belegt ist und was nicht.


Was sich mit den Jahren verändert

Das Auge altert wie jedes andere Organ, nur macht es sich hier früher und deutlicher bemerkbar. Vier Veränderungen betreffen praktisch jeden Menschen:

Die Linse wird starr

Etwa ab Mitte vierzig verliert die Linse an Elastizität und lässt sich vom Ziliarmuskel nicht mehr so stark verformen. Der Nahpunkt wandert nach außen — deshalb die Speisekarte auf Armlänge. Alterssichtigkeit (Presbyopie) ist keine Krankheit, sondern ein normaler biologischer Vorgang und mit einer Lesebrille sauber ausgeglichen.

Die Linse trübt sich ein

Über Jahrzehnte verliert die Linse ihre Klarheit. Das Bild wird flauer, Farben wirken gelblicher, Gegenlicht blendet stärker. Ist die Linse nicht mehr „glasklar“, spricht man vom Grauen Star (Katarakt) — heute einer der am häufigsten und erfolgreichsten operierten Befunde überhaupt. Auch die Hornhaut kann sich im höheren Alter eintrüben.

Die Dunkeladaptation verlangsamt sich

Der Wechsel von hell nach dunkel gelingt nicht mehr so schnell wie mit zwanzig. Zusammen mit einer Pupille, die sich weniger weit öffnet, erklärt das, warum viele Menschen ab einem gewissen Alter nachts ungern Auto fahren. Das ist eine nachvollziehbare Vorsicht, kein Versagen.

Der Tränenfilm wird instabil

Weniger Tränenmenge, veränderte Zusammensetzung, dazu Bildschirmarbeit mit reduzierter Lidschlagfrequenz: Brennen, Fremdkörpergefühl und paradoxerweise tränende Augen sind die Folge. Ausführlich beschrieben in unserem Beitrag zum Trockenen Auge (Sicca-Syndrom).

Davon zu unterscheiden sind Erkrankungen, die schleichend beginnen und ärztlich abgeklärt gehören — allen voran der Grüne Star (Glaukom), der über Jahre unbemerkt Sehnervfasern zerstören kann, sowie die altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Beide zählen zu den führenden Ursachen für Sehbehinderung, und das Risiko steigt jenseits des 65. Lebensjahres deutlich an.


Was sich beeinflussen lässt

Nicht alles am Alterungsprozess ist verhandelbar. Einiges aber schon:

  • Regelmäßige augenärztliche Kontrolle. Augeninnendruck und Netzhautbefund lassen sich nicht selbst beurteilen, und gerade das Glaukom verursacht lange keine Beschwerden. In welchen Abständen eine Untersuchung sinnvoll ist, hängt von Alter, Vorerkrankungen und familiärer Vorbelastung ab — das legt Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt fest.
  • UV-Schutz. Sonnenbrillen mit geprüftem UV-Filter, nicht nur im Sommer. Getönte Gläser ohne UV-Schutz sind schlechter als gar keine, weil sich die Pupille dahinter weitet.
  • Nicht rauchen. Rauchen gilt als Risikofaktor für die altersabhängige Makuladegeneration und ist einer der wenigen, an denen sich etwas ändern lässt.
  • Blutdruck und Blutzucker im Blick behalten. Die Netzhaut ist ein Gefäßorgan. Was den Gefäßen schadet, erreicht sie unmittelbar.
  • Abwechslungsreiche Ernährung. Dunkles Blattgemüse liefert Lutein und Zeaxanthin, fetter Seefisch die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA, Beerenobst sekundäre Pflanzenstoffe.

Mikronährstoffe: was rechtlich als belegt gilt

An dieser Stelle wird es in der Branche üblicherweise unseriös. Deshalb eine nüchterne Klarstellung.

Die EU führt eine Liste zugelassener gesundheitsbezogener Angaben. Was dort nicht steht, darf über ein Lebensmittel nicht behauptet werden. Für die Sehkraft sind es genau vier Nährstoffe, für die die Angabe „trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei“ zugelassen ist: Vitamin A, Riboflavin (Vitamin B2), Zink und — bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg — die Omega-3-Fettsäure DHA. Nachzulesen im Anhang der Verordnung (EU) Nr. 432/2012.

Für Lutein, Zeaxanthin und Anthocyane gibt es keine zugelassene Angabe. Das heißt nicht, dass diese Stoffe unwichtig wären — Lutein und Zeaxanthin sind, wie oben beschrieben, Bestandteile der Makula. Es heißt, dass die EU-Behörden die vorliegenden Studien für eine allgemeingültige Wirkaussage nicht als ausreichend bewertet haben. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, wirbt unzulässig.

Unabhängig davon existiert Forschung. Die vom National Eye Institute durchgeführten AREDS- und AREDS2-Studien sind die umfangreichsten Untersuchungen zu Nährstoffkombinationen und Netzhaut überhaupt. Ihre Ergebnisse lohnen eine genaue Lektüre, gerade weil sie so oft verkürzt zitiert werden:

  • Die Präparate senkten das Risiko, von einer mittleren zu einer fortgeschrittenen AMD überzugehen, um rund 25 Prozent.
  • Sie verhinderten nicht, dass eine AMD überhaupt entsteht.
  • Auf den Grauen Star hatten sie keinen Effekt.
  • Die zusätzliche Gabe von Omega-3-Fettsäuren brachte in AREDS2 keinen weiteren Nutzen.

Die Studien betrafen also eine klar umrissene Patientengruppe und erlauben keine Rückschlüsse auf gesunde Augen. Auch das gehört zur ehrlichen Darstellung dazu.

In eigener Sache

NOMOSAN entwickelt seit 2001 Mikronährstoff-Präparate, die über deutsche Apotheken bezogen werden können. Jedes Produkt trägt eine eigene Pharmazentralnummer, jede Zutat ist mit ihrer Menge je Tagesdosis ausgewiesen. Im Bereich Auge finden Sie unter anderem NOMOMAC® mit FloraGLO®-Lutein aus der Tagetesblüte sowie weitere Rezepturen in der Kategorie Vision – Auge.

Woher unsere Anthocyane stammen und wie sie gewonnen werden, beschreiben wir im Bericht zum EU-Forschungsprojekt Berry4Value mit der Universität Gent und dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik.


Häufige Fragen zum Aufbau des Auges

Wie viele Teile hat das menschliche Auge?

Anatomisch unterscheidet man rund zwei Dutzend eigenständige Strukturen. Funktional entscheidend sind sechs: Hornhaut, Iris mit Pupille, Linse, Glaskörper, Netzhaut und Sehnerv.

Wie viele Sinneszellen hat die Netzhaut?

Etwa 127 Millionen pro Auge: rund 120 Millionen Stäbchen für das Dämmerungssehen und etwa sieben Millionen Zapfen für Farbe und Detail.

Warum sehen wir im Dunkeln keine Farben?

Weil die farbtüchtigen Zapfen erst ab einer gewissen Helligkeit arbeiten. Bei schwachem Licht übernehmen die deutlich empfindlicheren, aber farbenblinden Stäbchen.

Was ist der gelbe Fleck?

Die Makula — der Bereich der Netzhaut mit der höchsten Zapfendichte und damit dem schärfsten Sehen. Ihre gelbliche Farbe stammt von den eingelagerten Carotinoiden Lutein, Zeaxanthin und Meso-Zeaxanthin.

Kann man mit Ernährung die Sehkraft verbessern?

Eine bestehende Fehlsichtigkeit lässt sich durch Ernährung nicht korrigieren. Für die Erhaltung normaler Sehkraft sind nach EU-Bewertung Vitamin A, Riboflavin, Zink und DHA relevant. Eine ausgewogene Ernährung deckt den Bedarf bei den meisten Menschen ab.


Quellen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine augenärztliche Untersuchung oder Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Sie dienen nicht der Behandlung von Krankheiten. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

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